14 Jan
2011

Der LiEberalismus: Der Mensch ist des Menschen Heilung

2 Antworten

1,2,3,4 – tot.

Ein Buch, das mir von einem wunderbaren Freund geschenkt wurde, hat mich verändert. Es bewirkte einen Teil meiner noch immer andauernden Zerrissenheit. Es heißt “Macroshift – Die Herausforderung” (E. Laszlo). Es beschreibt im Wesentlichen 4 Phasen eines Macroshifts, also einer großen, gesellschaftlichen Veränderung. 1. Auslöserphase, 2. Transformationsphase, 3. Chaosphase und 4a. Zusammenbruchsphase oder 4b. Durchbruchsphase.

Als ich klein war, sah ich im TV eine Serie der Robinsonfamilie. Das ist jene Familie, die schiffbrüchig auf einer Insel strandet und viele Abenteuer erlebt. Eines Tages sind alle mit Essensuchen beschäftigt. Nahrung ist dürftig auf der Insel. Der Sohn der Familie aber geht auf Schatzsuche. Und bringt tatsächlich einen mit in den Unterschlupf der Familie. Beim Abendessen sitzen alle am Tisch. Die Mutter tischt dem Jungen seinen Teller auf. Auf ihm liegen Perlenketten, Golddukaten und Diamanten… Die Mutter hatte dem Buben die wichtigste Lektion in seinem Leben erteilt: Du kannst Geld nicht fressen.

1,2,3,4 – tot.

Heute werden die Robinson-Jungs immer mehr. Sie sind nicht mehr Schiffbrüchige, auch nicht auf einer einsamen Insel. Sie sitzen nun vor Computern, in Banken – denkt man. Heute ist man ein gieriger Dreckskerl, wenn man für eine Bank arbeitet. Und ja, die haben eine große Mitschuld an den Problemen, die wir nicht mehr lösen können, weil wir glauben, es sind zu viele. Ist das aber nicht zu einfach? Sind wir nicht alle Bankster? Sind wir nicht alle – oder mindestens nicht nur die Banker – die Robinson-Jungs? Sind wir nicht alle ein bisschen Komplizen der Gier und Einkaufspromenaden-Flaneure geworden? Wenn wir vor das Tribunal unserer Innenwelt treten, müssen wir diese Fragen gerechterweise mit Ja beantworten. Wir wollen Geld. Wir sammeln es. Auf Konten. Damit es mehr wird. Von allein. Damit man´s hat, wenn man´s braucht.

Viele Jahre schämte ich mich für meinen Radikalismus. Sogar meine Partnerin gab mir das Gefühl, es sei etwas Schlechtes. Und tatsächlich, auch ich dachte, ich hätte einen Programmfehler. Ich wurde meines Zorns nicht Herr. Zorn ist die größte Schwäche in meinem Leben. Und was ich Kurt Scheuch schon vorwarf, gilt auch für mich: Zorn ist fehlgeleitete Liebe. Je mehr Liebe du hast, desto mehr Zorn kannst du produzieren. Ich bin sehr oft zornig. Jedes Mal, wenn meine innere Gerechtigkeit auch nur 1 Grad aus der Balance gerät, bin ich zornig. Das ist immer der Fall, wenn jemand ungerecht behandelt wird oder zB ausgemachte Sachen nicht mehr gelten. Das Unverständnis verwandelt sich in Millisekunden in Zorn. Heute akzeptiere ich, dass ich extremistisch bin. Es hat mich dazu geführt, mir eine neue Gesellschaftsidee bestehend aus Liebe auszudenken. Und waren nicht alle Veränderer Extremisten? Solange Extremismus schöpferisch ist, so lange ist er gut.

In der jüngsten Zeit bemerkte ich aber an manchen Tagen, wie sich dieser Zorn in Liebe verwandelte. Wie das ging, weiß ich nicht. Es war nicht bewusst oder gewollt. Es geschah einfach. Und jetzt von “… hab´die Welt dann viel bunter gesehen…” daherzuschwafeln ist nicht meins. Trotzdem passierten seltsame Dinge. An diesen Tagen kriegst du Lächler, auch, wenn du nicht damit anfängst. Unaufgefordertes Lebenschenken sag´ ich dazu. An diesen Tagen spielt die Orgel in einer Kirche, in der nur du alleine bist. Zu einer Zeit, in der keine Orgel spielt. Orgelprobe? Dachte ich auch. Nur, da saß niemand an der Orgel. Manche Dinge sollst du nicht verstehen wollen. An Tagen, an denen sich Zorn wundersam in Liebe verwandelt, siehst du ein Schwert im Marmorboden und du weißt, dass du – obwohl in der Hand des Herrn nur ein Werkzeug – jetzt ein eigenes Werkzeug bekommen hast. Das Schwert, um den guten Kampf zu kämpfen.

An einem solchen Tag ist der LiEberalismus in meinen Kopf gekommen. LiEberalismus. Mit langem ie. Darüber werde ich heute schreiben. Denn es muss raus aus mir. Es brennt in mir. Seit Wochen. Und gleich vorweg: Es ist unfertig. Auf die Idee gebracht hat mich ein anderer, überaus gescheiter Freund. Er wollte mit mir und noch einem anderen Freund über die Weltrettung plaudern. Ihm gefallen die Hirngespinste, die in mir hausen. Vieles von meinem unternehmerischen Rüstzeug hab ich von ihm gelernt. An diesem Abend kritisierte er Christian Felber´s Buch “Die Gemeinwohl-Ökonomie”. Ich kann mit 130 von 150 Seiten sehr gut. Ich nahm den Gegenpol ein und feixte an diesem Abend gegen die Weltumstände, die Reichen und den Kapitalismus. Immer mit ein paar Details und mit Beispielen. Aber es war ihm zu wenig – wie immer. Auch, wenn ich spürte, er ist nicht dagegen, im Gegenteil, er wollte auch etwas Neues, wollte ihm einen Namen gegen, es fixieren, es auf die Probe stellen und hoffen, dass es siegt.

Er fragte andauernd, “ja, aber was ist das System?” Der Kapitalismus habe wenigstens einen Namen. Er wollte unbedingt hören, was das System sei. Irgendwie brauchte er es, es festzumachen. Ich kannte mich überhaupt nicht mehr aus. Fragte mich, was der überhaupt will. Es reiche doch, Beispiele der gesellschaftlichen Obszönitäten aufzuzeigen. Ich konnte ihm nicht folgen – wie so oft. Im Oberstübchen ist er mir über. Lösungslos gingen wir auseinander. Wochenlang ließ mir der Gedanke keine Ruhe. Bis, ja bis einer meiner zornigen Liebestage kam…

1,2,3,4 – tot.

Die Welt befindet sich mitten in der Chaosphase, knapp vor Phase 4. Ganz kurz vor dem Zusammenbruch oder dem Durchbruch. Wie Ervin Laszlo es schreibt. Auslöserphase (Industrialisierung) und die Transformationsphase (Grundstoffausbeute, Bevölkerungswachstum) haben wir längst überschritten. Die Chaosphase (keine Kontrolle mehr über komplexe Systeme) ist jetzt. Soziale Unruhen in Tunesien, in Griechenland. Politikerhass quer über den Planeten, eine Naturkatastrophe nach der anderen. Unsere Gefühlswelt ist ein Wackelpudding. Wir haben das subjektive Gefühl, dass es noch nie so schlimm war. Nur beweisen können wir es nicht. Deshalb schieben wir es wieder weg. Bis wir von der nächsten Unbill eingeholt werden. Dann beginnt das Spiel von vorne.

Ich habe aufgegeben, es beweisen zu wollen. Das tun nur Ungläubige. Und es wurde für mich Zeit, vom Zeitalter der Vernunft abzureisen. In das Land des Gefühls. Denn der Verstand hat mich oft getäuscht, mein Gefühl nie. Bis zum Eintritt in das Zeitalter der Weisheit bleibe ich im Land meiner Gefühle. Und während dieses noch immer anhaltenden Aufenthalts ist der LiEberalismus entstanden:

Der LiEberalismus ist kein Netzwerk und doch die Seilschaft einander unbekannter Leben. Der LiEberalismus ist das Einhalten unausgesprochener, der Weltenseele aber wohl bewusster Versprechen. Der LiEberalismus ist nicht der Tod der maßvollen Rendite, wohl aber die Zerstörung des vorweggenommenen eigenen Vorteils. Der LiEberalismus ist der Verzicht auf das Ego zugunsten eines neuen Packtes mit dem Ich. Der LiEberalismus ist die Umverteilung der eigenen Person vom Haben ins Sein. Er gibt uns nicht nur die Freiheit zum Systemaus- und abbruch, sondern fährt bei richtiger Betätigung mit viel Liebe wieder hoch. Der LiEberalismus belohnt uns mit der stärksten Energie, die es auf diesem Planeten gibt: Der Liebe. Der LiEberalismus macht uns zu Empfängern des Glücks, wenn wir fähig sind, das, was immer war, ab sofort nicht mehr so sein zu lassen. Der LiEberalismus ist der Sieg der fehlgeleiteten Liebe über den Zorn. Er ist die Wahrung der Individualität und dennoch die Bewusstwerdung, dass wir alle eins sind. Der LiEberalismus gibt jedem seine Heimat und bedeutet dennoch, dass alle Menschen Ausländer sind. Der LiEberalismus ist nicht nur das Bekenntnis, sondern das Außerfragestellen und Vorantreiben und Kämpfen dafür, dass genug für alle da ist. Der LiEberalismus ist nicht nur Gefühl eines einzelnen, er ist das große planetarische Gewissen. Der LiEberalismus ist die Pauschalbegnadigung aller, die konvertieren wollen. Der LiEberalismus ist das Helfen vor dem Geben. Der LiEberalismus ist die Offenbarung des Lebens, das Auf-die-Welt-kommen, das der große Architekt ursprünglich für uns vorgesehen hat. Er führt zur Aufgabe von Privilegien, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Der LiEberalismus ist das Einbekenntnis, das aufgeschobene Gerechtigkeit verweigerte Gerechtigkeit ist. Nur auf andere ausgerichtete Menschen können wieder aufbauen, was auf sich selbst ausgerichtete zerstört haben. Der LiEberalismus heißt nicht nur Kleider für Frierende, er hüllt uns alle in das gleiche Gewand des Schicksals. Der LiEberalismus ist nicht nur die Unendlichwerdung von Oskar Schindler´s Liste, mit dem LiEberalismus hätte es diesen wundervollen Film nie gegeben.

Wenn Sie das gelesen haben, verändern vielleicht auch Sie sich. Und vielleicht schreiben auch Sie sich diesen unfassbaren Schmerz von der Seele und vielleicht liest das wieder jemand anders und vielleicht ändert auch der sich und vielleicht muss dann nicht mehr alle 4 Sekunden ein Kind an Hunger krepieren: 1,2,3,4,5,6,7,8,9 … und du zählst immer weiter…

Nur so ist der Zusammenbruch abwendbar. Nur so kommen wir in die Durchbruchphase. Perlen, Gold, Schätze kann man nicht fressen und auch nicht sammeln. Nicht, solange andere nichts am Teller haben. Wir sind alle 1: Der Mensch ist des Menschen Heilung.

Dank an Kurt, Robert, Barbara.


03 Aug
2010

Meine “Unschuldsvermutung”

Eine Antwort

Meine Unschuldsvermutung: Gerald M. sagte zu Jörg H. nicht, “welches Geld meinst du überhaupt?”.

Weil H. ihn ja gar nicht fragte, was er mit dem Schwarzgeld gemacht hat, mit dem er ihn nicht nach Liechtenstein schickte. Weil M. ja auch nicht dort war bzw. in der Schweiz abgetaucht ist und es nicht wahr ist, dass M. dann bei einem zufälligen Kärnten-Besuch aufgeschnappt wurde. Nicht von der Polizei. Weil das bedeuten würde, dass Jörg H. als Vertreter der Legislative ja direkt Einfluss gehabt hätte auf die Exekutive. Nein! Nein! Nein! Entschieden Nein! Und es ist auch nicht wahr, dass Gerald M. auf einmal, von einem auf den anderen Tag, verschollen war. Und M. wurde H. nach der Festsetzung daraufhin auch nicht vorgeführt. Und so konnte er auch nicht gesagt haben, “welches Geld meinst du überhaupt?”. Weil H. ja auch gar kein Schwarzgeld aus irgendeinem Deal hatte und M. es nicht verspekulieren bzw. auch keinen Teil davon behalten konnte.

Es ist auch nicht wahr, dass alle anderen Politiker davon wußten. Sohin auch die ÖVP nicht. Denn wenn sie es wußte, was nicht der Fall war, wäre das sicher nicht einer der weltweit größten Fälle von organisiertem Verbrechen von Politikern. Die ÖVP kam H. also nicht auf die Schliche und setzte ihn nicht unter Druck. Denn H. wollte auch gar nicht, dass ihm die ÖVP auf die Schliche kommt. Denn sonst hätte er ja einen gehabt, den er mit in den Abgrund reißen hätte können.

Denn die ÖVP hatte nicht die Idee, ihre eigene Konkurrenzfähigkeit durch ein “alternatives Finanzierungskonzept” zu stärken. Weil das eben H. ja auch nicht getan hat. Die ÖVP hatte also nicht die Idee, 12 Mio. Euro für ein Hypo-Gutachten an einen Herrn B. zu bezahlen, der wiederum ganz sicher nicht, aber ganz sicher nicht, einen Teil dieses Geldes (der dann 6 Mio.) rückvergütete (wer bekam jetzt den Patriotenrabatt NICHT?!). Und ganz sicherererer nicht an eine Person aus der ÖVP und noch noch sicherer nicht an H. Und felsenfest sicher bekam keine einzige Werbeagentur für Leistungen Geld oberm unterm Tisch. Woher auch? Von den nicht vorhandenen Schwarzgeldkonten vielleicht? Hallooo…

Es ist auch nicht wahr, dass H. selbst seine “Gönner aus der Industrie” war. Und es ist erstunken und erlogen, dass Renato Z. und alle anderen Kostspieligkeiten, die sich H. nicht als Luxus nicht leistete (ups doppelte Verneinung… ist das jetzt gar eine Bejahung?… mit den Vorzeichen hab ich´s nicht so.), von eben diesem H. selbst beglichen wurde. Weil es auch erstunken und erlogen ist, dass H. eine riesige Portokassa sein eigen nannte. Und es auch eine scheußliche Unwahrheit ist, dass H. sich eine Partei leistete, um eine Legitimation zu haben, ein vorher ehrwürdiges Amt an sich persönlich zu reissen und damit sein minder ausgestattetes Ego zu kompensieren.

Denn, wer das Gegenteil behauptet, der glaubt nicht an die Unschuldsvermutung.

Franz Miklautz