2011
Landesregierung käuflich zu erwerben
Jemand kommt zu Ihnen. Er heißt Manfred Stromberger. Sie wissen, er ist ein Untergebener von Uwe Scheuch. Stromberger ist Geschäftsführer der FPK-eigenen Werbeagentur. Die heißt “Connect Werbe- und Beratungsagentur GmbH”. Sie wurde als Agentur-Attrappe gegründet, der FPK Geld zuzuschaufeln. Und, um die 15 Prozent Agenturprovision zu lukrieren, die ansonsten im Inserate-Schalt-Geschäft von der FPK zu bezahlen wären.
Sie sind ein angesehener Anwalt seit 1973. Das bedeutet, dass Sie Akademiker sein müssen. Ein Doktor der Rechtswissenschaften. Sie haben viele Berufsjahre in Ihrem Pensionsregister und so viele Funktionen im öffentlichen Leben Kärntens hinter sich, dass Ihre Kinder Sie als Vereinsmeier beschimpfen. Sie wissen, wie die Dinge laufen. Gehören zum Klagenfurter Establishment. Und Sie heißen Gert Seeber.
Jetzt kommt Stromberger zu Ihnen und verwickelt Sie in ein Gespräch. Er gibt zu verstehen: Die von ihm vertretene Firma, mit laut Firmenbuch 2007 und 2008 null Mitarbeitern, verfügt über ausgezeichnete Kontakte zu mehreren Landesregierungsmitgliedern in Kärnten, zu Chefs von Tochtergesellschaften des Landes und zu Regierungsmitgliedern der Landeshauptstadt Klagenfurt.
Dann sagt er noch etwas: Die von ihm vertretene GmbH ist in der Lage, auf die Genehmigung und Zuerkennung ausreichend hoher Vertretungshonorare einzuwirken.
Dafür allerdings will er 240.000 Euro von Ihnen. Sie schlucken. Nicht wegen des Geldbetrages.
Sie sammeln sich wieder und versuchen, sich in die Hubschrauberperspektive zu begeben. Blitzschnell analysieren Sie, was da gerade abgegangen ist: Ein 56-jähriger unauffälliger Glandorfer mit einem Landtagsabgeordnetengehalt von 4.500 Euro brutto 14 Mal im Jahr und keinem einzigen Mitabeiter ist in der Lage, mir mindestens 240.001 Euro an Aufträgen zu verschaffen?
Und dann dämmert es Ihnen, was Stromberger hier gerade Unaussprechbares getan hat: Das war ein Vertriebsgespräch zum Verkauf der Demokratie. Er bietet Ihnen die Kärntner Landesregierung an. Zum Kauf. Und am Preiszettel stehen 240.000 Euro.
Auf der linken Schulter sitzt einer, der sagt, “tu´s nicht! Siehst du nicht, wo der dich hineinzieht?”. Auf der rechten: “Tu es! Das ist nur ein Geschäft.”
Das Fleisch ist schwach. Es hält der Versuchung nicht stand. Es gibt nach. Sie kaufen sich eine Landesregierung. Über eine Umleitung. Und werden zum Oligarchen.
Und auf einmal wedelt der Schwanz mit dem Hund.
In Ihrem Kopf entstehen nach und nach zwei Bilder:
Gehen wir jetzt bitte einen Schritt weiter als herkömmlich zu denken, dass die “Connect” 30 Prozent Provision für Auftragsacquise von Seeber bekommen hat. Was News aufgedeckt hat, dafür ist die Sprache zu limitierend. Manfred Stromberger war die Vertriebsabteilung der FPK-Regierungsmitglieder. Und Gert Seeber hat eine Landesregierung käuflich erworben. Wenn Seeber dieses Ansinnen nicht von Anfang an hatte, dann hätte er das Geld nicht springen lassen. Denn er hat es nicht aus Wohltätigkeit der FPK gegenüber getan, was auch hätte sein können: Er gibt zu, dass Stromberger mit Auftragsvermittlungen säumig ist. Und besteht auf die Einhaltung der Abmachung.
Uwe Scheuch ist die oberste “Behörde” in der “Connect”. Einfach ausgedrückt ist er Doppelchef von Manfred Stromberger. Einerseits politisch, denn Scheuch ist FPK-Obmann. Andererseits privatrechtlich: Er ist höchster Eigentümervertreter der “Connect”-GmbH, deren Geschäftsführer Stromberger ist, der übrigens auch Geschäftsführer der Orange-Werbeagentur (BZÖ) war. Das ist jene Firma, die für zusammenkopierte Internettexte 300.000 Euro von den Casinos Austria bekam. Ein nützlicher … Mensch.
Zurück: Eine GmbH als Kapitalgesellschaft hat eine sogenannte Generalversammlung als Aufsichtsgremium. Diese findet üblicherweise einmal pro Jahr statt. Darin berichtet man an den Eigentümer (FPK, Uwe Scheuch) den Geschäftsgang. Die “Connect” hat eine Aktiva-Passiva-Summe von 123.663,70 Euro im (vom Kalender abweichenden) Geschäftsjahr 2008. Ein Auftragseingang von 200.000 Euro netto ist also nicht gerade ein Minderheitenprogramm. Es ist deshalb mehr als anzunehmen, dass Scheuch in den Deal involviert war, wenn er nicht der Auftraggeber selbst war. Der Rechnungsbetrag macht fast das Doppelte der Bilanzsumme der GmbH aus.
In Wahrheit stellt sich die Frage: Was hat Uwe Scheuch noch, wenn die FPK nicht mehr regiert, weil sie kein Geld zum Wahlkämpfen hatte? Nichts mehr. Er wäre politisch tot, weg von der Bildfläche. Und das ist für mich der stichhaltigste Beweis dafür, dass Scheuch Rechtsanwalt Seeber Steuergeld zufließen ließ und dafür 240.000 Euro kassierte, damit er Kärnten weiter auswringen kann. Herr Seeber, ist Ihnen bewusst, was Sie da getan haben?!
Das alles bleibt im Status der Vermutung. Wie alle anderen Verbrechen der FPK an der Kärntner Gesellschaft. Nun ist sogar von gefälschten Dokumenten die Rede, die Kurt Kuch (News) zugespielt wurden. Zu spät: Seeber hat die Zahlung zugegeben.
Stromberger und Scheuch gehören wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch bzw. wegen Amtsmissbrauchs belangt – und aus meiner Sicht in U-Haft genommen: Verdunkelungsgefahr. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. Wobei: Für mich nicht mehr (sic!).
PS: Für die drei nicht betroffenen Landesregierungsmitglieder tut es mir leid, dass sie am Bild sind. Ein anderes Fotos war für mich nicht auffindbar.
PPS: Es könnte ganz anders gewesen sein. Seeber ist bisher nie aus der Reihe gefallen. Aber es kann und muss dieser hier beschriebene Eindruck entstehen. Es handelt sich hier um eine Annahme.
(c) Foto Seeber: Werner Koscher
Es gilt die Unschuldsvermtung


